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Kinderkochbücher – Vier auf einen Streich

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Heute habe ich mal wieder etwas Besonderes vor: Ich habe euch gleich vier Bücher auf einmal mitgebracht, die alle ein gemeinsames Thema haben: Kinder- und Familien! Es ist ja oft so: Man interessiert sich für ein bestimmtes Thema, vergleicht Rezensionen, Inhaltsverzeichnisse und Kommentare auf der einschlägigen Kaufseite. Am Ende hat man eine Vorauswahl getroffen, eine Hand voll Bücher in der engeren Auswahl und alle klingen gut. Die Frage ist dann nicht mehr: „Handelt es sich hier um ein gelungenes Buch?“, sondern vielmehr um die Frage: „Welches dieser tollen Bücher passt am besten zu mir?“ Da ich solche Situationen schon oft hatte, dachte ich mir, dass es euch genauso gehen könnte und möchte euch jetzt zumindest eine Hilfestellung geben, wenn es um aktuelle Kinderkochbücher geht.
Mitgebracht habe ich wie gesagt vier verschiedene Titel: Ein klassisches, ein Mottobuch, ein modernes und ein traditionelles. Ein Thema, vier Autoren(teams), vier Verlage und vier Herangehensweisen.

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Beginnen möchte ich mit dem Titel, den ich den „Klassiker“ getauft habe: „Yummy“ von Susanne Klug. Mit „Klassiker“ meine ich hier, dass dieses Buch genau das erfüllt, was ich mir so klassischerweise unter einem Kinderkochbuch vorstelle: Es gibt einfache Rezepte, die in den Alltag integrierbar sind, man benötigt keine ausgefallenen Zutaten und viele Stunden Zeit. Die Zutatenlisten sind sehr überschaubar und die Kinder können viel helfen. Die Rezeptauswahl ist vielfältig, es gibt die Klassiker wie Nudeln mit Tomatensauce oder Milchreis mit Fruchtsauce, neben Neuinterpretationen von Caprese-Gerichten oder Waffeln. Zu jedem Rezept gibt es ein paar einleitende Worte, was ich sehr sympathisch finde, außerdem gibt es Portions- und Zubereitungszeitangaben. Leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Bild. Ich verstehe zwar, dass das wahrscheinlich den Umfang des Buches gesprengt hätte (immerhin gibt es 140 Rezepte im Buch) aber ganz besonders bei einem Kinderkochbuch, was man mit den Kleinen zusammen anschaut, geht viel über das Auge. Schön sind dann wieder immer mal wieder unten den jeweiligen Rezepten auftauchende Tipps für Alternativen. Ebenfalls eine witzige Sache sind die Doppelseiten zwischen den Kapiteln, auf denen man sich selbst Ideen oder ähnliches notieren kann und die mit lustigen Überschriften versehen sind.
Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Rosinen-Brötchen: Leckere, schnell gemachte Brötchen auf Basis eines Quark-Öl-Teigs (also kein Gehen nötig!). Perfekt für den Spielplatz, Kindergarten, Schule oder Sport zum Mitnehmen. Bei uns gab es die Alternative mit Cranberries.

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Ofen-Tomatensauce: So etwas wollte ich schon ewig ausprobieren: Hier wird eine Sauce kalt angerührt, in eine Auflaufform gegeben und im Ofen gegart. Super lecker! Einzig die Portionsgröße fand ich viel zu gering.

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Kaiserschmarrn mit Apfelkompott: Ein Klassiker, den es bei uns schon viel zu lange nicht mehr gab. Man benötigt für dieses Rezept keinen Ofen, was ich sehr angenehm finde (und ehrlich gesagt eh immer so mache). Insgesamt ist es halt der Klassiker, wie man ihn kennt, nicht mehr und nicht weniger.

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Als zweites möchte ich euch gern etwas über das Motto-Buch erzählen: „Kinder Party Küche“ von Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch und Nelly Mager. Von diesem Autorinnenteam hatte ich bereits ihr zweites (dies ist das dritte) Buch vorgestellt und war damals von der Aufmachung bereits begeistert gewesen. Bei diesem Buch geht es mir genauso! Die Autorinnen haben sich insgesamt 8 kindertaugliche Themen überlegt und zu jedem Thema eine imaginäre Party organisiert. Vor allem geht es dabei natürlich um passende Gerichte und Backwerk, aber auch ein paar Dekotipps gibt es am Ende jedes Kapitels – diese nehmen aber wirklich nicht viel Platz ein. Besonders gut hat uns die „Auf zu fernen Planeten!“-Party gefallen, das ist aber der persönlichen Vorliebe für Astronomie von uns allen geschuldet, die anderen Themen sind nicht weniger gut umgesetzt. Eher weniger hat mir Halloween gefallen, da empfinde ich persönlich die Bilder als schon etwas grenzwertig, aber ich möchte nicht verschweigen, dass ich in dieser Beziehung eher ein kleines Weichei bin… Jedes Kapitel hat nicht nur pro forma ein eigenes Thema, sondern es wird auch konsequent in allen Bildern durchgezogen und dieses Buch ist proppevoll mit Bildern! Keine Seite ist weiß, nicht einmal als Hintergrund und immer passt alles perfekt zum Thema. Das ist toll, kann aber auch beim Durchblättern etwas überfordern. Bei einer Bekannten beispielsweise habe ich gemerkt, dass sie das Gefühl hatte, dass sie sofort die komplette „Party“ hätte schmeißen müssen und sie konnte kein einzelnes Rezept nehmen und einfach so zubereiten. Die Rezeptauswahl ist vielfältig, es gibt viel kleines Knabberzeug, aber auch einige Hauptgerichte – beispielsweise die „Ursuppe“, eine Gemüsebrühe mit Sternchengemüse. Die Zubereitungsbeschreibungen sind kurz und knackig, für mich sind sie vollkommen ausreichend, ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie für ein paar schon fast zu kurz sein könnten. Insgesamt würde ich dieses Buch vor allem jemandem empfehlen, der regelmäßig in der Küche steht.
Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Leopardenbrot: Dieses witzig gefärbte Brot habe ich schon öfter im Netz gesehen und wollte es immer mal selbst backen und so habe ich diesen Anlass gleich mal wahrgenommen. Das Brot ist etwa aufwändiger, weil man drei Farben Hefeteig braucht, der dann entsprechend umeinander gedreht und gebacken wird. Ein echter Blickfang und ich finde die Idee super!

Leopardenbrot
Mondstaubkekse: Wie oben schon erwähnt, ist bei uns das Astronomie-Thema am besten angekommen und so mussten wir diese Cookies unbedingt ausprobieren. Im Prinzip handelt es sich einfach um Schokoladenkekse in Puderzucker gewälzt, die dadurch eine witzige Oberfläche beim Backen bekommen. Sie waren schön schokoladig und leicht fudgy.

Mondstaubkekse

 

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Weiter geht es mit dem Buch, was ich oben in der EInleitung mit „traditionell“ umschrieben habe. Als Autoren werden Ida Bohatta und Dagmar von Cramm angegeben. Dagmar von  Cramm kannte ich vorher schon, um sie kommt man quasi nicht herum, wenn man sich auf dem deutschen Kinderbuchmarkt umschaut. Im Nachhinein ist mir bewusst, dass ich auch Ida Bohatta kannte, allerdings nicht wirklich und ich hatte dementsprechend auch nicht wirklich Ahnung, was mich im Buch erwarten würde. Wem das ähnlich geht: Ida Bohatta ist eine bekannte Kinderbuchautorin und scheinbar vor allem für ihre Zeichnungen bekannt. Gestorben ist sie schon Anfang der 90er Jahre, weswegen die Angabe als Autorin durchaus etwas speziell ist…
Nach dieser längeren Vorrede, komme ich einfach mal direkt zum Buch: Es erwarten den Leser vier Kapitel, die sich jeweils an einer Jahreszeit orientieren. Die jeweiligen Rezepte passen insgesamt gut in die Kapitel: Im Frühling gibt es frisches Gemüse, im Sommer viele Beeren und im Winter schließlich einige Plätzchenrezepte und ähnlich wärmendes. Fast alle Rezepte haben fantasievolle Namen bekommen – „Heinzels Wunderbrot“, „Hummelpudding“, „Musikantentrunk“ oder ähnliches. Bei so etwas bin ich ehrlich gesagt immer etwas hin- und hergerissen. Klar klingt das auf der einen Seite lustig, auf der anderen kann man sich unter einigen Namen einfach nicht viel vorstellen und das macht die Suche nach einem passenden Rezept nicht immer leichter. Sehr gut gefällt mir, dass im Buch viel erklärt wird, sodass auch Kinder den Rezepten folgen können, es gibt immer mal wieder Zeichnungen von Zwischenschritten und Tipps für die Zubereitung oder Alternativen. Fotografien gibt es im Buch keine, meist wird aber das fertige Gericht oder zumindest eine Darstellung in der Fast-Endform als Zeichnung integriert. Bis hierhin gefällt mir das Buch eigentlich ganz gut, die Schitte sind gut nachzuvollziehen, die Zeichnungen hilfreich und nicht zu niedlich. Dann kommt aber noch der Punkt dazu, der einfach nicht meiner ist: Die Bilder von Ida Bohatta. Auf jeder Doppelseite gibt es ein großes Bild, das irgendwelche Zwerge, Blütenfeen, Wesen mit Brombeerhüten oder ähnliches zeigen. Meine Kleine hat sich darüber amüsiert, aber auch gefragt, was das denn eigentlich soll und ich bin ganz ehrlich: Ich kann damit nichts anfangen und mag diese Art der Bilder einfach nicht. Das ist absolut Geschmackssache und wir werden bestimmt immer mal wieder für Rezepte im Buch blättern, aber der Stil dieser Zeichnungen wird mir deswegen nicht besser gefallen.
Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Charly’s Käse Scones: Wenn man den Bogen bei Scones einmal raus hat, ist das ein tolles kleines Gebäck, was man je nach Anlass oder Bedarf anpassen und variieren kann. Hier gibt es eine Version mit kleinen Käsestückchen. Perfekt als Beigabe für eine Suppe.

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Grießpudding: Ebenfalls ein Klassiker, der sich seinen Platz absolut verdient hat. Meine Kleine war total begeistert davon und ich bin sicher, dass es bei uns ab sofort öfter Grießpudding geben wird.

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Fehlt nur noch das „moderne“ Kinderkochbuch von Leila Lindholm. Es heißt „Meine Rezepte für die ganze Familie“. Von Leila Lindholm hatte ich bereits das letzte Buch über Backen im Allgemeinen rezensiert und mochte dort besonders die oppulenten Bilder. In diesem Buch ist der Bilderstil ein ganz anderer. David Loftus hat sie geschossen und das ist für mich schon ein Zeichen dafür, dass die Autorin inzwischen zu den Big Playern gehört. Im Buch stehen die Gerichte im Vordergrund, aber auch die Autorin und ihre Familie(?) wird recht häufig gezeigt. Gerade Leila Lindholm ist dabei meist sehr modelhaft inszeniert, was ich persönlich für ein Kochbuch und erst recht für Familien nicht so passend finde. Auch die Rezepte sind sicherlich nicht für jeden etwas: Hier gibt es vieles, was bestimmt lecker ist, aber wenig mit dem Familien- und Kinderthema zu tun hat – in meinen Augen jedenfalls. Klar bin ich auch ein Freund davon, dass man nicht extra für die Kleinen kocht, aber in solch einem Buchkonzept muss man vielleicht trotzdem nicht so viel Rinderfilet, Garnelen, Muscheln und Tatar auffahren. Die Rezepte an sich sind schön präsentiert: Mit einem hellen, klaren Bild, Einleitungstexten und übersichtlichen Zutaten- und Zubereitungsschritten. Schön ist ebenfalls die intuitive und gut zu erkennende Kennzeichnung jedes Rezeptes, ob es glutenfrei, vegetarisch, laktosefrei oder ähnliches ist. Leider sind sehr viele Rezepte mit Fleisch oder Fisch im Buch enthalten, sodass ich Vegetariern eher davon abraten würde.
Insgesamt klingt das jetzt vielleicht etwas allzu negativ, aber das Buch ist nicht schlecht! Ich fürchte, ich hatte etwas Pech mit der vegetarischen Auswahl, der Rezeptauswahl der ausprobierten Gerichte und für mich ist das Buch etwas am Thema vorbei. Trotzdem glaube ich, dass viele mit diesem Kochbuch glücklich werden können.
Rezepte, die ich bereits ausprobiert habe:
Linguine mit Knoblauch, Zucchini und Parmesan: Dieses Gericht ist genau so, wie ich mir Gerichte in einem Familienkochbuch vorstelle: Wenige, leckere und möglichst gesunde Zutaten, kurze Zubereitungszeit und leicht individuallisierbar. Hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber das Ergebnis schmeckt und ist schnell auf dem Tisch. Sehr gut.
Bananen-Scones: Ok, dieses Rezept ging bei mir vollkommen nach hinten los… Zum einen war der Teig VIEL zu flüssig, sodass ich ihn in einer Brownieform buk, und zum zweiten sehr fad und komplett ungesüßt, war uns das dann doch zu wenig. Sehr schade, kommt bei uns auch so gut wie nie vor, aber dieses Gebäck konnte niemand essen.

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Beispielsweise gibt es im Buch aber auch viele Nicecream-Rezepte, die sicherlich gut klappen, denn mit der Grundmasse habe ich gute Erfahrung gemacht.

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Mein Fazit: Alle vier Bücher gefallen mir im Großen und Ganzen gut. Wenn ich eines von ihnen als Must-have auswählen sollte, würde ich wohl „Yummy“ wählen, denn es ist einfach am alltagstauglichsten und vielfältigsten. Wer aber gerade eine Geburtstagsparty plant, auf traditionelle Zeichnungen steht oder ein paar neue Ideen haben möchte, für den ist eines der anderen Bücher passender.
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Das Buch „Yummy“ von Susanne Klug umfasst 212 Seiten, kostet  Euro und erschien im ZS Verlag.
Das Buch „Kinder Party Küche“ von Claudia Seifert, Gesa Sander, Julia Hoersch und Nelly Mager umfasst 185 Seiten, kostet  Euro und erschien im AT Verlag.
Das Buch „Das große Kinder-Koch- und Backbuch“ von Dagmar von Cramm und Ida Bohatta umfasst knapp 90 Seiten, kostet  Euro und erschien im Anaconda Verlag.

Das Buch „Meine Rezepte für die ganze Familie“ von Leila Lindholm umfasst 240 Seiten, kostet 25 Euro und erschien in der Edition Fackelträger.

Vielen Dank für die Bereitstellung als Rezensionsexemplar.

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